7. Konzert: 12 Cellisten

Das war eine dem Anlass entsprechende Geburtstagsparty, wie man sie sich zu seinem 150igsten Jubiläum doch wünschen möchte: Der Rote Teppich war ausgerollt – und das nicht nur für den Ehrengast Frau Silvia Breher, die Parlamentarische Staatssekretärin – und jeder, der wollte, konnte sich fühlen wie bei der Bienale oder der Oscar-Verleihung. Nach einigen Geburtstagsgrüßen und Ansprachen stand dann (genau wie es die Vorsitzende, Frau Grietje Oldigs-Nannen beschrieben hatte) die Musik im Mittelpunkt. Die Qualität der Musik und das Abonnement sind die tragenden Stützen des Vereins junger Kaufleute. Allen Abonnenten im Saal dürfte bewusst gewesen sein, dass die Einladung der Künstler in diesem Jubiläums-Jahr und in den folgenden Spielzeiten durch jeden einzelnen Beitrag im Abo möglich wird.

Ein Konzert mit den 12 Cellisten ist natürlich per se etwas Besonderes. Aber das Konzert dieser Formation zu diesem Zeitpunkt passte einfach ganz wunderbar. Spannend zu beobachten war der Spaß und gleichzeitig die Aufmerksamkeit innerhalb der Gruppe, das Aufeinander-Hören, kleine Gesten mit großer Wirkung. Als Zuhörer musste man manchmal etwas suchen, ob den- oder diejenigen zu finden, die gerade ein hervorstechendes Motiv spielten. Alles weitere zur Musik können Sie der hier anschließenden Kritik von Frau Fischer entnehmen.

Die Besucher wurden noch zu einem Glas Sekt eingeladen und jeder bekam ein kleines Tee-Präsent, damit die Erinnerung an diesen besonderen Abend möglichst lange erhalten bleibt.

Konzertkritik

150 Jahre alt und nicht abgenutzt: das ist selten. 150 Jahre alt und den eigenen Zielsetzungen erfolgreich treu: das zeugt von stetem Engagement und Standhaftigkeit. 150 Jahre alt und kein bisschen leise: der Verein junger Kaufleute in Leer feierte am Sonntag in der Blinke ein klangvolles Jubiläum mit einem besonderen Konzert. Eines unter den vielen, geradezu unzähligen anderen besonderen, ungewöhnlichen, außergewöhnlichen, die im Laufe der Zeit stattgefunden haben. Und doch sind „Die 12 Cellisten“ der Berliner Philharmoniker ein Ereignis, das sich normalerweise auf den Spielplänen den großen Bühnen zu finden ist. Weltklasse in einer ostfriesischen Kleinstadt: nicht nur am Sonntag, sondern eine Konstante, mit der der „VjK“ seit Jahrzehnten bei Publikum und Künstlern gleichermaßen punktet. Passend zum festlichen wie fröhlichem Anlass wartete das Programm mit einer Mischung aus bekannten Melodien oder Themen auf. Filmmusik, Chanson, Song, Jazz, Swing, auch etwas „für’s Herz“ in einträchtigem Nebeneinander: doch was bei den 12 Cellisten auf dem Notenpult landet, wird in neuer Gestalt gleichermaßen geadelt. Originalkompositionen für ein solches Ensemble sind spärlich; und so erfuhren Berühmtheiten wie Edith Piaf („La vie en rose“), Astor Piazzolla (u.a. „Adios Nonino“), George Gershwin („Clap yo hands“) oder Nino Rota („La Strada“) neben anderen spannende, ausgeklügelte und ansprechende Bearbeitungen, die sowohl dem Original in Stimmung und Charakter verpflichtet waren, wie den Möglichkeiten des Instruments. Und derer gibt es viele: pizzicato, col legno, Flageolett; dazu Glissandi, Tremolos, Perkussion auf dem Corpus, Gitarren-Technik, die Musiker schnipsten, klatschten, pfiffen. Und natürlich der große Tonumfang von „ganz unten“ bis in höchste Lagen, mit dem sich ein orchestraler Klang zaubern lässt. So entstanden Bearbeitungen aus der Feder von Cellisten, die genau wissen, was möglich ist und vor allem (neben optimaler Wirkung) gut klingt. Doch besondere Highlights des Abends waren die drei Originalkompositionen, weil sie eben nicht einem bekannten Vorbild angelehnt waren. Julius Klengel mit seinem opulenten „Hymnus“, Stephan Koncz und „Swing on Dvorak“, und vor allem „Blues“, „Espagnola“ und „Rumba philharmonic“ von Boris Blacher. Musik als Hingucker, wenn sich Bögen in absoluter Synchronität bewegen, Motive die beeindruckende Phalanx von einem Dutzend Streicher durchlaufen, sei es in Gruppen oder als Welle, tolle Stereo-Effekte im Klang inklusive. Auszumachen, wer gerade das Solo spielt, wer pizzt, denn Trios oder Quartette innerhalb des Ganzen tauchen mal hier, mal dort auf, werden Liaisons über das Halbrund des Ensembles gespannt. Perfektes Zusammenspiel und Harmonie, Ausgewogenheit, Balance, Energie, höchste Kunstfertigkeit auch bei kleinen Scherzen: was für eine beeindruckende Musikalität und Geschlossenheit! Doch in einem herrscht ebenso höchste Individualität, und die liegt nicht bei den virtuosen Musikern, sondern im jeweiligen Instrument. Jedes dieser Celli besitzt ein ganz eigenes Timbre, und im Laufe des Abends vermochte man die einzelnen Stimmen und Charaktere immer deutlicher herauszuhören. Ein besonderes Klangbild, ungewöhnliche Werke, die Hingabe und Begeisterung der Künstler formten eine heimliche Liebeserklärung an das Cello. Vom Charme des Ganzen eingefangen, war auch die Begeisterung der vielen Gäste groß, so dass es gleich zwei „ear-catcher“ als Zugabe gab: ein Thema aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Pink Panther“. Köstliches Ohrenkino!

Barbara Fischer

Das Theater an der Blinke mit dem langen Roten Teppich

Die Gäste werden an der Außenfassade weit sichtbar begrüßt

Grietje Oldigs-Nannen begrüßt

Matthias Grothe spricht ein Grußwort

Silvia Breher bei ihrer Laudatio

Vielen Dank für Ihre Treue!

Die 12 Cellisten beim ersten Stück

Die 12 Cellisten vor der Zugabe

Die 12 Cellisten bekommen Blumen

Nach der Zugabe: alle im Saal applaudieren

Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker bei der Probe

Joschka Bujny bereitet am Nachmittag die Bühne vor

Grietje Oldigs-Nannen und Lars Nannen beim Befestigen des Roten Teppichs

Der Rote Teppich vor dem Theater an der Blinke am Nachmittag