8. Konzert: Albrecht Mayer (Oboe), Theo Plath (Fagott) und Fabian Müller (Klavier)
An dieser Stelle ein paar Details zum letzten Konzert der Saison 25/26 des Vereins junger Kaufleute:
39,0° Grad Celsius: Das war mehr als erhöhte Temperatur beim Pianisten Fabian Müller. Wie er gespielt hätte, wenn er nicht im Fieberwahn gewesen wäre, ließe sich nur ermitteln, wenn er nochmals eingeladen werden würde, was sicherlich passieren wird. Manche Besucher hatten am Ende des offiziellen Programms durchaus Hemmungen zu viel zu klatschen aus Angst, dass der Pianist eine Zugabe vielleicht nicht überstehen würde. Dabei wurde ihm von den Veranstaltern durchaus zugestanden, mindestens den Solo-Part aus Krankheitsgründen auszulassen. Auch eine Umwandlung des gesamten Programms stand im Raum. Aber bravourös spielte er seinen gesamten Part als Begleiter und Solist, Chapeau!!
Albrecht Mayer hat am Vortag noch ein Konzert in Riga gespielt, ist dann via Frankfurt nach Bremen geflogen, von dort mit dem Zug nach Leer. Nach dem Konzert ging es für ihn wieder zurück zum Bahnhof, um den letzten Zug nach Hannover zu bekommen, denn am Montagvormittag war eine Probe für alle Berliner Philharmoniker durch ihren Chefdirigenten, Kirill Petrenko, angesetzt worden. Das Leben eines Profimusikers kann durchaus strapaziös sein.
Das Fagott ist Dank Prokofjew wohl auf immer und ewig mit dem Musikwerk „Peter und der Wolf“ verbunden. Sobald ein bestimmtes Intervall oder eine Tonfolge erklingt, die man als Konzertbesucher mit dem brummigen Großvater konnotiert, sind gewisse Kindheitserinnerungen zurück. Ein Wunder daher, dass Theo Plath, der das gesamte konzerttaugliche Repertoire für Fagott im Portefeuille hat, „Peter und der Wolf“ noch niemals im Konzert spielen musste.
Dafür kam in der Zugabe eine andere Märchen-Oper zu Ihrem Recht: Der Abendsegen aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“ in Trio-Besetzung, schöner hätte man den Abend (und damit die Saison) nicht ausklingen lassen können.
Konzertkritik
Ob er durchhält? Und wenn nicht, haben die zwei anderen dann ein Ersatzprogramm parat? Das letzte Konzert der Saison des Vereins junger Kaufleute war für die Künstler wie für die Veranstalter sicher im Vorfeld eine Zitterpartie, und doch gab es am Ende überall strahlende Gesichter, drei grandiose Gewinner und einen Helden. Denn sichtlich angeschlagen erspielte sich der Pianist Fabian Müller mit routinierter Könnerschaft und vollem Einsatz in „normalem“ Konzertmodus die Achtung des Publikums, ja, verzichtete noch nicht einmal auf seinen Soloauftritt mit zwei der „Miroirs“ von Ravel, was doch jeder vollauf verstanden hätte. So aber war er seinen Kollegen, dem Oboisten Albrecht Mayer, und dem Fagottisten Theo Plath, zum einen Duopartner und zum anderen der gar nicht so unsichtbare Dritte in einem unschlagbaren Trio. Es wäre aber auch allzu schade gewesen, diesen französischen Abend mit den geplanten Werken nicht hören zu können. Saint-Saens, Ravel, Poulenc, Boutry und Francaix: sie stehen für jüngere und zeitgenössische Musik aus dem Nachbarland, die dem Hörer ebensoviel Farbigkeit wie Überraschendes und Charme verspricht. Fein und elegant auf der einen Seite, auf der anderen wie frei im Geiste und in der Form, in gewissem Maße ungehemmt, schwärmerisch, dem Leben zugewandt. Welche Instrumente würden da besser passen als eben Oboe und Fagott, die, der menschlichen Stimme so nah, überaus vielfältig und ausdrucksstark zu modulieren imstande sind. Dass eine Oboe über viel Schmelz und Wärme verfügt, ist bekannt; ob als Soloinstrument seit der Barockzeit oder im Orchester: wenn es besonders „schön“ und eindringlich, berührend klingen sollte, griff und greift man bis heute auf die Oboe zurück. Wenn sie von Albrecht Mayer gespielt wird, erfüllen sich all diese Kriterien. Sie klingt rund und voll und offen, das leichte Näseln ist ihr Timbre. Saint-Saens’ Sonate D-Dur beginnt wie eine barocke Arie mit Kantilenen voller Schönheit und Sanglichkeit, durchzogen mit feinen Klangfäden aus jüngeren Epochen, es ist eben doch ein romantisches Werk, das zwischen Sehnsucht und irdischen Querelen schwankt, aber vor allem eines ist: Poesie, und die vermag Albrecht Mayer als eine solche zu belassen. Doch wer hätte gedacht, dass ein Fagott, der Orchester-Bariton aus der zweiten Reihe, ebenso elegisch, lyrisch zu singen vermag bei gleichzeitiger bodenständiger Präsenz? Mit etwas schrägem Schalk und jazzig angehaucht in Boutrys „Interférences“ für Fagott und Klavier ist es wiederum Saint-Saens (Sonate in G), der dem Instrument ein Charakterstück auf den Leib geschrieben hat, das buchstäblich durch alle Höhen und Tiefen führte, und die liegen beim Fagott beeindruckend weit auseinander, tonal wie in der Vielfalt des Ausdrucks. Nach soviel positiver Energie und nonchalanter liebenswürdig schwärmerischer Flatterhaftigkeit wartete Poulenc in seinem Trio op.43 mit etwas gedeckteren Farben auf, die die klanglichen Tendenzen des Abends noch einmal zusammenfassten. Wie gut, dass dieses tolle Trio tatsächlich als solches auftreten konnte, denn die die „Stimmen“ ausgleichende wie strukturell ergänzende andere Qualität des Klaviers hätte doch sehr gefehlt. „Die spielen schon gut“, hieß es in ostfriesischer Untertreibung; will meinen: das war ein wunderbarer und würdiger Abschluss einer bemerkenswerten Konzertsaison.
Barbara Fischer
Albrecht Mayer begrüßt das Publikum und klärt über den Gesundheitszustand von Fabian Müller auf
Albrecht Meyer, Fabian Müller und Theo Plath vor der Zugabe


