4. Konzert: VOCES8
Das Konzert des VjK im Dezember ist meist mit einem (vor-)weihnachtlichen Programm bestückt, so auch am vergangenen Dienstag. Der Ansturm an der Abendkasse auf Einzeltickets war aber natürlich auch deshalb außergewöhnlich groß, weil mit den Damen und Herren des Ensembles VOCES8 ein dem Leeraner Publikum bereits bekanntes Weltklasse-Ensemble eingeladen war. Außer in Leer haben die Sängerinnen und Sänger das Programm „Winter Tales“ nur in drei anderen Deutschen Sälen zur Aufführung gebracht, bevor sie heute bereits wieder in London präsentieren und dann weiter nach Amerika reisen, um dort ihre Fans zufrieden zu stellen.
Charmant moderiert kamen auch zeitgenössische Komponistinnen und Komponisten zur Aufführung. Man hätte meinen können, dass diese Werke dem Ensemble quasi auf den Leib geschrieben wurden.
Ein Höhepunkt des Abends war für viele Besucher „Stille Nacht“: Von der Einstimmigkeit zur Achtstimmigkeit und wieder zurück, quer durch alle Stimmen: Ein Hochgenuss, bei dem auch Tränchen im Publikum geflossen sein sollen.
Nach dem Verkauf und dem Signieren der mitgebrachten CD´s hatten alle Mitglieder des Ensembles noch Zeit, den Abend in gemütlicher Runde „ausklingen“ zu lassen, im wahrsten Sinne des Wortes…
Konzertkritik
Das Weihnachtswunder musikalisch neu entdecken: das war die Offerte von VOCES8 an das Publikum beim letzten Konzert des Jahres, zu dem der Verein junger Kaufleute in die Leeraner Blinke eingeladen hatte. Ein Programm rund um das Thema Winter und eben Weihnachten hatte das junge britische Ensemble mitgebracht und sowohl Klassiker wie auch selten Gehörtes im Gepäck. Die Notenkoffer hätten trotz der langen Reise ruhig etwas schwerer sein können, denn mit ihrer Gesangskunst beeindruckten und begeisterten die jungen Künstler das Publikum derart, dass man gerne noch länger zugehört hätte. Acht individuelle Stimmen, die jedoch vom Kolorit her gut zueinander passen, stets blitzsauber intonierend, kann man im a capella-Genre häufiger finden. Ebenso den nahezu vollkommenen Verzicht auf Vibrato und lockere Beweglichkeit, Mühelosigkeit, die eine instrumentale Stimm-Behandlung ermöglichen. Auch „auf-den-Leib-geschneiderte“ Arrangements gehören mittlerweile zum festen Bestandteil des Repertoires solcher Ensembles, ermöglichen es doch gerade sie, die jeweiligen Vorzüge hervorzuheben. Womit also punktet VOCES8? Zuvorderst: es klingt gut. Es klingt auch dann gut, wenn es eigentlich (vom Komponisten so gewollt) schief klingt in einer Harmonik, die viele interessante „Fehlfarben“ aufweist. Harmonik als ein Abenteuer zwischen Spannung, Wagnis und Fremdartigkeit, zwischen Landschaft und abstrakter Malerei. Es klingt voll und rund im Pianissimo. Es bleibt durchsichtig und geschmeidig im Forte. Es macht das Hören zum Genuss in Kompositionen von Reena Esmail, Philip Stopford, Elizabeth Poston oder Oliver Tarney, die unverdient ein Schattendasein führen. Es klingt authentisch in Traditionals, mittelalterlichen Hymnen und im frühbarocken prächtigen Magnificat Quinti Toni von Hieronymus Praetorius mit seiner Vielgestaltigkeit aus Gregorianik, Motette und Choral. Aber es fehlt noch etwas. VOCES8 singt in einer sehr unaufdringlichen Weise, die das Wesentliche hervorhebt, den Inhalt, die Melodien, die Musik. Sie singen in einer perfekten, entschnörkelten, dennoch kunstvollen Schlichtheit, die Mystisches hervorbringt. Wann hat man „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Stille Nacht“ so unmittelbar, so nah am Geschehen erlebt? Es ist die äußere scheinbare Emotionslosigkeit, die die Türe öffnet zum Kern, zu großer Eindringlichkeit. Ein solcher Ansatz ermöglicht es dem Hörer, sich neu berühren zu lassen, Verschüttetes oder durch populäre Aufbereitung Überlagertes wiederzuentdecken; für die unbekannteren englischen Stücke wird dies ebenso gelten. Weihnachtsglitzern und Winterzauber auf amerikanisch durfte zum Vergnügen aller am Ende nicht fehlen; ein bisschen Pop und Jazz, ein bisschen Swing und Show sorgten für gute Stimmung in der Blinke. Und weil das Publikum so gut war, gab es noch eine beswingte Zugabe im gleichen Stil.
Barbara Fischer
Barnaby Smith informiert über das Programm
VOCES8 im Theater an der Blinke
VOCES8 mit ihrem Programm “Winter Tales”
VOCES8 vor der Zugabe
VOCES8 bei der swingenden Zugabe
VOCES8 bei der Probe






